LEON:
Ab April 2019 hatte ich zunehmend mit meiner Verdauung zu kämpfen.
Medikamente, die mir meine Mutter besorgte halfen nicht.
Aufgrund von Zeitmangel – meiner Ausbildung und einige dringend notwendige Sanierungsarbeiten in meinem Refugium – ernährte ich mich hauptsächlich von Fastfood und Fertiggerichten.
War das der Grund?
Im Folgemonat verschlechterte sich mein Gesundheitszustand. Ich hatte Probleme bei der Nahrungsaufnahme, ständig Kopf- und Gliederschmerzen, Schlaflosigkeit und wiederholt sogar Sehstörungen.
Alle Versuche, meinen Körper wieder in Schwung zu bringen, missglückten. Ich verlor immer mehr an Körpergewicht. An Kraft- und Ausdauersport als Ausgleich war nicht mehr zu denken.
FAMILIE:
Der sich schnell verschlechternde Gesundheitszustand und körperliche Abbau von Leon beschäftigte uns sehr.
Eine medizinische Abklärung stieß bei Leon eher auf taube Ohren.
LEON:
Ab Juni litt ich unter Geschmacksverlust und vermutete, dass eine mögliche Ursache der neue Kühlschrank ist. Auch ein Austausch brachte mir den Geschmacksinn nicht zurück. Alles schmeckte für mich nach Kühlflüssigkeit.
Meine zuvor geschilderten gesundheitlichen Probleme verstärkten sich und erreichten ihren Höhepunkt im Juni.
Ich fühlte mich schwach, antriebslos, ohne Appetit, hatte Migräne-Attacken und Sehstörungen.
FAMILIE:
Trotz Austausch des Kühlschranks beklagte sich Leon, dass weiterhin ein fahler Geschmack und eigenartiger Geruch an den Lebensmitteln haftet.
Da Leon einige Tage zuvor viele Zecken am Körper entfernen musste, dachten wir, dass diese seinen Zustand verursachten.
Fieber hatte er keines? Oder ist er mit Mäusekot im Garten und Schimmelbefall bei der Sanierung in Berührung gekommen?
LEON:
Wie ich mich erinnere, besuchte ich im Juni meine Eltern. Es gab ein offenes, friedliches Gespräch und gemütliches Beisammensein.
Da ich einen Großteil der Sanierungsarbeiten in Eigenregie und manchmal mit Unterstützung meiner Mutter fast abgeschlossen hatte, nahm ich mir vor, die nächsten Tage zu entspannen.
Ich verzichtete auf Hilfestellungen meines Vaters, weil ich mir eine liebevollere, nicht so belastete Beziehung zu ihm gewünscht hätte. Das Vater – Sohn – Verhältnis beschäftigte mich schon seit Monaten.
Vorrangig für mich waren, die Freizeit wieder genießen, den restlichen Wohnraum gemütlich fertigstellen, Motosport und meinen Körper trainieren. Vielleicht war ich überarbeitet? Job, Ausbildung, Sanierung und Siedeln?
FAMILIE:
Durch den Besuch von Leon, hatten wir das Gefühl, dass bei ihm geundheitliche Verbesserungen eingetreten sind. Wir waren der Auffassung, dass zuvor aufgetretene familiäre Differenzen in uns aller Sinn der Vergangenheit angehören.
Leons Plan, sich nun mehr sich selbst und der Verwirklichung seiner Hobbies zu widmen freute uns sehr. Sein realistisch klingenden Pläne, ob Sport oder Beruf, ließen uns in eine positive, gemeinsame Zukunft blicken.
Auch der Plan eine eigene Familie in absehbarer Zeit zu gründen, damit er beweisen kann, dass er ein guter (besserer) Vater sein kann, sein Leben voll im Griff habe, haben wir mit Freude zu Kenntnis genommen. Wir als Familie wussten, dass sich Leon schon monatelang mit der Frage, warum seine Vater – Sohn – Beziehung nicht den positiven Verlauf genommen hatte, den er sich immer ersehnt hat, beschäftigt hatte.
LEON:
Ende Juni, bei einem Besuch der Eltern, nachdem ich Gekochtes gegessen hatte, änderten sich mein Geschmackssinn und die körperlichen Zustände nicht. Ich warf meinen Eltern, im Speziellen meinem Vater vor, dass sie mein Essen und Trinken vergifteten.
Ich konfrontierte meinen Vater mit diesem Verdacht, worauf er mir nur mit einem Lächeln antwortete. Aufgrund dieses für mich als hämisch empfundenes Lächelns, kam mir folgender Gedanke in den Sinn: Der Täter verrät sich immer selbst!
FAMILIE:
Nachdem Leon frisch gekochtes Essen zu sich genommen hat, warf er uns vor, dass wir ihn vergiften wollten.
Dasselbe Essen hatten auch wir zu uns genommen. Wir waren ratlos, verzweifelt und besorgt, wegen der Vorwürfe und Beleidigungen.
Der Satz auf den Vater bezogen, „der Täter verrät sich immer selbst“ machte uns stutzig und sehr nachdenklich. Jedes Gegenargument wurde schlichtweg ignoriert.
Zu dieser Zeit hatte uns auch ein Freund der Familie mitgeteilt, dass er bei einem Treffen mit Leon bedenkliche Äußerungen von seiner Seite vernommen hatte, die einem zum Nachdenken bringen.
LEON:
In den kommenden Wochen verschlechterte sich mein Gesundheitszustand, und meine zerrissenen Gefühlszustände verstärkten sich.
Ich war verzweifelt und manchmal aufgebracht, weil mich keiner ernst nahm.
Meine Familie, speziell meinem Vater gab ich die Schuld, dass ich trotz aller Bemühungen meine Gesundheit nicht in den Griff bekam.
FAMILIE:
Leon berichtete uns telefonisch, dass er sich sicher ist, dass jemand in seine Wohnung eingedrungen sei.
Der Sockel am Haus zeigte seiner Meinung nach auch eindeutige Spuren (war aber Algenbefall durch aufsteigende Feuchtigkeit).
Auch beim PKW hat jemand die Handbremse manipuliert (keiner außer Leon hatte Zugriff zu den Schlüsseln und Zugang zu seinem Domizil).
Auch die Holzhütte zeigte Manipulationen von außen (durch die Sonneneinstrahlung kam es zu Harzaustritt des Holzes).
Auch die Zusatzheizung mittels Infrarotpaneele sei viel zu heiß, wobei eine Oberflächentemperatur von über 90° C gewöhnlich ist.
Mit Leon konnte aufgrund dieser „Vorkommnisse“ kein konstruktives Gespräch geführt werden.
LEON:
Wenn ich unterwegs war, wandten sich immer mehr Freund und Bekannte von mir ab, reagierten auf meine Anwesenheit anders, als ich in Erinnerung hatte. Ich war doch so wie immer?
Was war geschehen?
FAMILIE:
Leon behauptete, dass der Vater Schuld trägt, dass sich immer mehr Freunde von ihm abwenden.
Der Vater muss die Finger im Spiel haben, will ihn nicht nur vergiften, sondern Leon auch noch die Freundschaften stehlen.
Als Vater kann ich aber bestätigen, dass ich weder vollständige Namen und schon gar keine Adressen der damaligen Freunde und Bekannten kannte.
Auch dass ich als Vater beim Arbeitgeber in der Ausbildungsstätte während der Ausbildung negativen persönlichen Einfluss genommen hätte. Jedes entkräftende Argument wurde ignoriert und löste emotionale, heiße Debatten aus.
Ich erwähnte lediglich, dass es mich sehr interessieren würde, eine Firmenbesichtigung zum Beispiel im Rahmen eines Tages der offene Türe in Anspruch zu nehmen. Für Leon war es Beweis genug, dass ich vor Ort gewesen sein musste, wie sonst hätte ich davon Kenntnis, dass es so etwas geben kann?
LEON:
Bei einem Besuch im elterlichen Haus, holte mein Vater für uns ein paar Dosen Bier aus dem Keller.
Sofort nach dem ersten Schluck merkte ich, dass mit dem Bier etwas nicht stimmen kann. Der Geschmack war anders als gewohnt.
Was hat mein Vater mit diesem Bier angestellt?
Warum will er mich vergiften?
FAMILIE:
Wir, Vater und Leon, saßen am Balkon und öffneten eine Dose Bier, die ich aus dem Keller geholt hatte.
Plötzlich merkte Leon an, dass das Bier vergiftet schmeckte. Auch seine Mutter musste kosten, konnte nichts Ungewöhnliches feststellen.
Leon behauptete felsenfest, dass ich als Vater intelligent genug sei, mit einer Spritze oder ähnlichem das Bier auch im geschlossenen Zustand zu manipulieren.
Und wenn der Vater es schon nicht so gemacht hatte, dann schafft er es und hat die Möglichkeit auch bei der Quelle die Vergiftung vorzunehmen.
Der Abend war gelaufen, Leon verließ das elterliche Haus aufgebracht und umgehend.
LEON:
Anfang Juli besuchte ich meine Eltern, alle waren anwesend.
Ich bat meine Eltern mit mir einen alten Kinderfilm auf Video zu sehen. Für mich bedeutete es positive Erinnerungen. Keiner verstand mich. Ich saß zwischendurch alleine auf der Couch. Das machte mich sehr traurig. War das meine Familie?
Noch bevor das Video zu Ende war, verabschiedete ich mich und gab an, Einkaufen zu gehen und danach wieder zu kommen.
Ich sagte zu meinem Vater, dass ich mein altes Leben wieder zurück haben will, und nur er kann das!
Für mich war klar, dass ich mich von der Familie abwenden, und schnell meinem Vater, der damals Negatives für mich ausstrahlte, den Rücken kehren muss. Mein Verdacht verstärkte sich, dass er mir sicher über längere Zeit Medikamente ins Essen gab und dies meine Veränderung hervorrief.
Ich bildete mir ein, dass meine Eltern und meine Schwester nicht vom selben Gericht gegessen hatten.
FAMILIE:
Dass Maurice mit uns allen einen alten Film schauen wollte, am frühen Nachmittag, gemeinsam auf der Couch, hatte uns sehr verwundert.
Maurice will sein Leben zurück. Nur der Vater kann das, wenn er will!
LEON:
Mein Entschluss stand fest, ich musste weg. Ich bin ich zu meiner Wohnung gefahren, habe in wenigen Minuten das Notwendigste inklusive aller Dokumente zusammengepackt, und in kleine Rücksäcke verstaut.
Ich fühlte mich körperlich zunehmend noch erschöpfter, meine Gedanken kreisten um das Vergiften, meine geliebte Familie für die ich immer da war und die Frage „ Warum“ man dir das alles antut.
Ich setzte mich ins Auto, fuhr wie in Trance Richtung Osten. Auf einer Raststätte hielt ich und übernachtete.
FAMILIE:
Leon meldete sich, wie er angekündigt hatte, nicht mehr.
Wir versuchten ihn telefonisch zu erreichen. Ohne Erfolg.
In diese Stille mischte sich Angst und Verzweiflung. Irgendwie hatten wir bei der kurzen Verabschiedung gespürt, dass die Gefühlslage und der gesundheitliche Zustand Leons nichts Gutes verhieß. Vermisstenanzeige? Nein, wir begannen mit der Suche.
Zuerst die Wohnung, in der Umgebung, am Flusslauf, in der Stadt, fuhren zu seinen Freunden und Bekannten und versuchten weiterhin Leon telefonisch zu erreichen.
Die ganze Nacht, bis zum Sonnenaufgang setzten wir die Suche fort, bis wir erschöpft und voller verzweifelter Gedanken zurückkehrten und abgekämpft einschliefen.
LEON:
Nach einem kurzen, unruhigen und erschöpften Schlaf an der Raststätte, fuhr ich weiter.
Mein Entschluss stand fest: Ich musste weit weg, damit ich dem negativen Einfluss der Familie, speziell meines Vaters, entrinnen kann.
Am Flughafen angekommen, sah ich die Abflugzeiten der Airlines mit verschiedenen Zielen.
Bangkok war in einer Stunde. Ich ging zum Schalter, es waren noch Sitzplätze frei und kurze Zeit später war das Boarding und ich saß im Flugzeug.
Flugreisen lösten in mir immer extremes Unbehagen und Angst aus. Ich habe Klaustrophobie seit Kindestagen. Trotzdem flog ich!
FAMILIE:
Weiterhin versuchten wir Leon zu erreichen und setzen unsere Suchaktionen fort.
Wir geißelten uns selbst, warum es so weit kam. Aber mit Leon war aus unserer Sicht kein produktives Gespräch möglich, ein Vorschlag zu einer Abklärung ins Krankenhaus zu fahren oder gar eine psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, fanden bei Leon kein Gehör.
Das Problem seien wir, alles geht von uns aus.
Trotz Verzweiflung und Erschöpfung suchten wir zwei Tage und Nächte, doch ohne Erfolg.
Sollen wir die Polizei informieren, eine Vermisstenanzeige aufgeben? Wie würde Leon reagieren, wenn man ihn findet, ausfindig macht, welche Konsequenzen?
LEON:
In den folgenden Tagen irrte ich in der Welt umher, genaue Erinnerungen trotz Fotos, sind mir nicht geblieben. Der innerliche Stress aufgrund meines Zustandes war enorm. Von Thailand nach Dubai und als das Geld weniger wurde fuhr ich mit dem Bus nach Makedonien.
Mein Gesundheitszustand war katastrophal. Ich suchte im Ausland verschiedene Ärzte auf unter anderem auch das Airport Hospital in Bangkok, bezahlte Ultraschall, MRA & ließ weitere Scans von mir machen. Man sagt mir zwar, dass ich „not ready to fly“ bin, aber eine richtige Diagnose erhielt ich nicht.

Zwischendurch meldete ich mich telefonisch bei meinen Eltern und kam auch wieder zurück nach Österreich. Einerseits um einen Autotausch vorzunehmen, andererseits um meine Mutter um Geld zu fragen, dass sie mir noch wegen der Wohnlandschaft schuldete.
In allen Ländern organisierte ich mir Prepaid Cards um nach Österreich zu telefonieren und mit meinem Vater während einer Dienstreise nach Asien Kontakt aufzunehmen.
FAMILIE:
Erleichterung! Leon meldete sich! Bei den Telefonaten, wobei wir oft nicht wussten wo sich Leon gerade aufhielt, ging es fast immer um das Krankheitsbild, das für uns schwer nachvollziehbar war, ebenso wie die Gründe dafür.
War es der Drogenkonsum in der Vergangenheit, eine Überlastung oder sind mehrere Ursachen zusammengekommen, die dann durchgebrochen sind?
Wir hatten keine Erklärungen, was uns zutiefst beunruhigte. Denn in einigen Gesprächen machte Leon Andeutungen, die auf eine Ausweglosigkeit hinwiesen. Der „Übervater“ der geschlossen mit dem Rest der Familie geeint sich gegen ihn verschworen hat .
Was passiert, wenn Leon in seiner Verzweiflung, im Zustand der Hoffnungslosigkeit, einen Schlussstrich setzt?
Unsere Argumente um ihn zu einer Rückkehr zu bewegen fanden kein Gehör, stets bewegten sich seine Gedankenkreise um dasselbe Thema.
LEON:
Nach ungefähr 10 Tagen nach meiner überhasteten Abreise aus Österreich, nachdem ich bereits in verschiedenen Ländern und dortigen Krankenhäusern unterwegs gewesen war und keine konkrete Erklärung für meine Zustände erhalten hatte, besuchte ich meinen Vater persönlich. Das Gespräch brachte keine Erleichterung. Ich hatte weiterhin keine konkreten Antworten erhalten, warum er mich vergiften wollte.
Als ich wieder von Thailand zurück war, befand ich mich in einer ländlichen Umgebung, und hoffte dort zur inneren Ruhe zu kommen. Ich wusste, dass ich meinem Leiden, an dem mein Vater schuldig war, ein Ende bereiten musste.
Nach einigen Bierchen verfasste ich unter Tränen meine Abschiedsbriefe auf Zetteln, Visitenkarten und Bieruntersetzerns des Gästehauses. Ich fühlte mich leer, verlassen, nicht geliebt und fragte mich: „ Hat dieses Leben einen Sinn“.

Den genauen Inhalt kann ich nicht mehr wiedergeben, aber dass mir die Eltern Mittel ins Essen und Trinken gaben, davon war ich noch immer überzeugt. Ich weiß was in der Familie abgelaufen ist, mein Vater alles kontrollierte und die Menschen für sich benutzte, mein Leben vorher gut war, mein Vater das Leben auch aller anderen zerstört hat, ich mein altes Leben zurück will oder er gehen muss, denn durch ihn werden meine schönen Erinnerungen immer mehr ausgelöscht.
Zum Schluss schrieb ich noch, dass ich bald bei meinem Opa sein werde, den ich nie persönlich kennengelernt habe. Seinen Ring hüte ich wie ein Heiligtum. Ich spüre die Seelenverwandtschaft und werde ihn bald sehen.

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